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Für Varietäten (var.) und Formen (f.) gibt es in der Zoologie keine Nomenklatur, warum ist das dann falsch? Ich bin auch nicht sicher, ob diese Garnele nicht zumindest ansatzweise rote oder sonst wie bunte Exemplare in der Natur vorweist, also könnte man zumindest "Form" voraussetzen.
Zitat von »christinag«
N. denticulata sinensis var. "Red Fire" Ist eins der vielen verkehrten Schreibweisen. Es ist keine natürliche Variante sondern eine Farbzucht, daher ist diese Schreibweise inkorrekt.
Zitat von »christinag«
Zitat von »Gerald«
Für Varietäten (var.) und Formen (f.) gibt es in der Zoologie keine Nomenklatur, warum ist das dann falsch?
Die Nomenklatur gibt es und ist allgemein im Gebrauch. Eine Variante muss in der Natur auffindbar sein und einen gewissen Unterschied aufweisen. Einzelexemplare sind soviel ich weiss weder eine Variante noch Form, da sie nur Einzelexemplare sind und keine Population. Wenn ein Wissenschaftler jedoch einTypusexemplar eines dieser Einzeltiere hinterlegt und sie als "Fundortvariante" bezeichnet, würden sie wahrscheinlich als Solche anerkannt werden. Bis ein anderer das wiederlegt ...
Natürlich rote "Populationen" gibt es sogar heute:
Es gibt immer wieder rote und auch blaustichige Garnelen dieses Formenkreises (um Rückenstrichgarnelen herum) die nach einiger Zeit Aquarienhaltung verblassen. Also sind auch solche Funde keine Variante oder Form, denn die Farbe stammt von Algen. Dieselben Tiere wären auf einem anderen Fundort blasser und genetisch nicht von der Nominatform zu unterscheiden. Also in diesem Falle auch keine echte Variante.
So wie Du "Red Fire" geschrieben hast ist das ok, das wäre als Sortennamen aufzufassen. Eventuell auch geschützter Sortennamen, wie etwa M. pteropus "Windelöw". dafür gibt es auch bestimmte Regeln.
Nicht, dass wir uns da missverstehen. Natürlich hat jedes Labor, jedes Institut und wahrscheinlich jeder Biologe sein eigenes Regelwerk dafür, aber diese sogenannten infrasubspezifischen Formen unterliegen nicht den Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur. Anderenfalls musst du mir zeigen, wo diese Nomenklaturregeln stehen, offizielle, meine ich.
Zitat von »christinag«
Die Nomenklatur gibt es und ist allgemein im Gebrauch.
Zitat von »christinag«
Zitat von »Gerald«
Nicht, dass wir uns da missverstehen. Natürlich hat jedes Labor, jedes Institut und wahrscheinlich jeder Biologe sein eigenes Regelwerk dafür, aber diese sogenannten infrasubspezifischen Formen unterliegen nicht den Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur.
Nein, daran glaube ich nicht. Jedes Institut mit Selbstachtung hat sich an den allgemeinen Regeln zu halten. Darüber hinaus gibt es natürlich Wissenschaftler, die sich in manchen Dingen nicht einig sind. Endler-diskussion bekannt?
Zitat
Anderenfalls musst du mir zeigen, wo diese Nomenklaturregeln stehen, offizielle, meine ich.
Bei manchen in der Praxis angewandten DIngen wirst Du im Internet nicht fündig werden.
Und ausserdem: Alles, was im Internet auf verschiedenen Verkaufsstellen als Varianten angepriesen wird, sind es nicht.
Zitat
An deinem nachfolgenden Beispiel kann man das auch festmachen. Wo steht, dass Farb"formen" genetisch bedingt sein müssen? DNA-Analyse ist auch keine Regel der ICZN, die schreibt nämlich ausdrücklich das Typusverfahren vor, die genetische Methode ist die der Phylogenetik, und da gibt es überhaupt noch keine gescheite Taxonomie.
Man nimmt bei der Definition einer Art nicht nicht nur einfache Umstände wie Farbe etz (spreche nur Morphologie hier) in Einwägung, sondern auch wie diese Farbe sich Weitervererbt und wie sie sich im Verhältniss zur Normalpopulation sowie der Populationen sympatrischer Arten verhält. Beispielsweise "Character displacement" ist eins der Dinge die in Erwägung gezogen werden müssen. Ist z.B. eine Art auf einem Fundort homogen gefärbt und auf einen anderen nicht homogen, dann heisst es trotzdem nicht, das es sich um eine andere Art oder eine Farbvariante handelt. Hier muss also bei der Namensgebung des Fundes eindeutig feststehen, dass es sich immernoch um dieselbe Art handelt. Wenn etwa die homogene Population dann umzieht, wo andere sympatrische Fische vorkommen, die der Art nicht ähneln, dann verschwindet der naturgebundene Zwang sich morphologisch dem anzupassen, und die Art kann wieder in ihre "normale Standardfärbung" zurückkehren. Und immernoch ist es die gleiche Art und keine Variante.
Das ist zumindest praxis so. Charles Tate Regan (1878-1943), Zoologieprofessor beim Britishen Museum in London, soll Folgendes gesagt haben: "Eine Art ist, was der damit befasste Spezialist dafür hält".
Wenn man die Absicht hat eine neue Art oder Variante zu definiieren, dann muss man (mindestens) ein räpresentatives Exemplar auswählen und als Typusexemplar ernennen. Aber man kann nicht irgendwelche Typen hinterlegen. Es müssen eigene, spezielle Kennzeichen vorliegen, aber alle Varianten taugen auch wieder nicht. Wie auseinanderhaltend diese Kennzeichen sein sollen oder dürfen, darüber streiten sich noch die Gelehrten.
Man unterscheidet heute zwischen drei verschiedene Artbegriffe; der morphologische (nach Carl von Linne, wurde bis zum 1900-Jahrhundert verwendet), der biologische (stammt aus den 30-ern) und der phylogenetische Artbegriff (der in den 60-ern ausgearbeitet wurde und auch heute wissenschaftlich angewendet wird). Um eine Art heute zu definieren, muss man phylogenetische Studien unternehmen. Diese können morphologische Studien, Beobachtungen von physiologischen Eigenschaften oder Studien auf DNA-basiertes Material der Art sein. Mit den Daten die man auf diese Weise eingesammelt hat, kann man dann eine Hypothese betreffend der Verwandtschaft zwischen den unterschiedlichen Organismen aufstellen.
Eine Hypothese, wie gesagt. Die Schreibweisen sollen die Ansicht des issenschaftlers wiederspiegeln, der sich mit der Art befasst hat. Und deshalb die Regeln, die ich auch (als Laie) befürworte.
Und leider sieht man gerade hier einen profitbedingten, sich mehr und mehr erweiternden, Krater zwischen dem, was die Wissenschaftler und die Vertreiber über ihr Angebot aussagen. Da soll man sich nicht so einfach darauf einlassen.![]()
MfG
Christina G
Ich meine eine Stelle im Code des ICZN, der ist massgebend.
Zitat von »christinag«
Bei manchen in der Praxis angewandten DIngen wirst Du im Internet nicht fündig werden.
Schon klar, und in der Erstbeschreibung muss angegeben sein, dass es sich um eine Variante oder Form handelt. Farbliche Abweichungen sind aber auch ein Kriterium für eine "Form".
Zitat von »christinag«
Wenn man die Absicht hat eine neue Art oder Variante zu definiieren, dann muss man (mindestens) ein räpresentatives Exemplar auswählen und als Typusexemplar ernennen.
Die kenne ich, die Artbegriffe, ich habe schließlich meinen eigenen Artikel gelesen.
Zitat von »christinag«
Man unterscheidet heute zwischen drei verschiedene Artbegriffe; der morphologische (nach Carl von Linne, wurde bis zum 1900-Jahrhundert verwendet), der biologische (stammt aus den 30-ern) und der phylogenetische Artbegriff (der in den 60-ern ausgearbeitet wurde und auch heute wissenschaftlich angewendet wird). Um eine Art heute zu definieren, muss man phylogenetische Studien unternehmen.